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Wer hilft Migranten in Deutschland kostenlos? Caritas, Diakonie, Migrationsberatung und mehr

Die ersten Jahre in Deutschland sehen bei fast allen ähnlich aus: Briefe von Behörden, unverständliche Formulare, Fristen – und das Gefühl, dass man niemanden fragen kann. Dabei gibt es sehr wohl jemanden. In Deutschland gibt es ein dichtes Netz von Beratungsstellen, die Zugewanderten kostenlos helfen, oft auch auf Russisch, Ukrainisch, Türkisch oder Arabisch. Das Problem: Kaum jemand weiß davon.

Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Gruppen. Behörden (Ausländerbehörde, Jobcenter, Finanzamt, Landratsamt) entscheiden über deinen Fall. Beratungsstellen entscheiden nichts, stehen aber auf deiner Seite: Sie erklären Briefe, helfen beim Ausfüllen von Formularen und begleiten dich manchmal sogar zum Termin. In diesem Artikel geht es um die zweite Gruppe.

1. Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE): ab 27 Jahren

Die wichtigste Anlaufstelle für erwachsene Zugewanderte. Das Programm wird vom Bund (über das BAMF) finanziert, die Beratung selbst machen Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, AWO, DRK, der Paritätische und andere. Bundesweit gibt es rund 900 Beratungsstellen.

Womit du kommen kannst:

  • ein unverständlicher Brief von Ausländerbehörde, Jobcenter oder Familienkasse;
  • Anträge: Bürgergeld, Kindergeld, Wohngeld, Integrationskurs;
  • Suche nach Sprachkurs, Arbeit, Kita oder Schule;
  • Fragen zum Aufenthaltstitel und seiner Verlängerung.

Gut zu wissen: Die Beratung ist kostenlos. Offiziell ist sie für die ersten drei Jahre nach der Ankunft gedacht, in der Praxis werden aber oft auch Menschen beraten, die schon länger hier sind. Frag einfach nach.

So findest du sie: Auf migrationsberatung.org gibt es eine Suche nach Postleitzahl. Dort findest du auch die Online-Beratung über die App mbeon.

2. Jugendmigrationsdienst (JMD): von 12 bis 27 Jahren

Das gleiche Prinzip, aber für junge Menschen. Rund 500 Standorte in ganz Deutschland. Der JMD hilft bei Schule, Ausbildung, Studium, Anerkennung von Schulabschlüssen und dem ersten Job. Auch Eltern von Jugendlichen können mit Fragen zur Bildung ihrer Kinder kommen. Online-Beratung gibt es über jmd4you.

So findest du ihn: jugendmigrationsdienste.de, Suche nach Postleitzahl.

3. Wohlfahrtsverbände

Große gemeinnützige Organisationen, die nicht nur Migrationsberatung anbieten, sondern Dutzende andere Beratungen. Wenn du nicht weißt, wohin, geh zu einem von ihnen – man schickt dich an die richtige Stelle weiter.

  • Caritas (katholisch) und Diakonie (evangelisch). Trotz kirchlichem Hintergrund helfen sie allen, unabhängig von der Religion. Migrationsberatung, Schuldnerberatung, Beratung für Schwangere und Familien, allgemeine Sozialberatung.
  • AWO (Arbeiterwohlfahrt). Migrations- und Sozialberatung, Schuldnerberatung, Familienhilfe.
  • DRK (Deutsches Rotes Kreuz). Migrationsberatung, Suchdienst für Angehörige, Beratung für Geflüchtete.
  • Der Paritätische. Dachverband für viele kleine lokale Initiativen, darunter auch russisch- und ukrainischsprachige.

Tipp: Such bei Google nach „Caritas Migrationsberatung + deine Stadt“ oder „Diakonie Sozialberatung + Stadt“.

4. Anerkennung von Abschlüssen: Anerkennungsberatung

Wenn du einen Beruf oder Abschluss aus dem Ausland hast, versuch nicht, dich allein durch die Anerkennung zu kämpfen. Die Beratungsstellen des IQ Netzwerks helfen kostenlos herauszufinden, welcher deutsche Beruf deinem entspricht, welche Stelle zuständig ist und welche Unterlagen du brauchst.

So findest du sie:

  • auf dem Portal anerkennung-in-deutschland.de: dort gibt es den „Anerkennungs-Finder“ und eine Suche nach Beratungsstellen in deiner Nähe;
  • wenn es in der Nähe nichts gibt: die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (BAMF und Bundesagentur für Arbeit) unter +49 30 1815-1111. Fragen kannst du auch schriftlich stellen.

5. Schulden: Schuldnerberatung

Briefe vom Inkassobüro, Mahnungen, eine Kontopfändung – hier darfst du nicht warten. Kostenlose Schuldnerberatung bieten Caritas, Diakonie, AWO und viele Kommunen an (oft im Landratsamt oder Rathaus). Sie helfen, einen Zahlungsplan aufzustellen, Forderungen zu prüfen, ein P-Konto einzurichten und bei Bedarf eine Privatinsolvenz vorzubereiten.

Vorsicht: Kommerzielle „Schuldenhelfer“ aus der Werbung verlangen oft Geld im Voraus und lösen nichts. Achte auf die Worte „gemeinnützig“ oder „anerkannte Schuldnerberatungsstelle“.

6. Miete: Mieterverein

Mieterhöhung, Nebenkostenabrechnung, Kündigung, Schimmel. Der Mieterverein prüft deine Unterlagen und schreibt in deinem Namen an den Vermieter. Das ist nicht kostenlos: Du zahlst einen Mitgliedsbeitrag, meist ein paar Euro im Monat. Aber eine erfolgreich angefochtene Nebenkostenabrechnung bezahlt ihn oft für Jahre.

7. Rechtsberatung bei kleinem Einkommen: Beratungshilfe

Wenn du wirklich einen Anwalt brauchst, aber kein Geld dafür hast, kannst du beim örtlichen Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Damit kostet die Beratung beim Anwalt höchstens 15 Euro. Das passt, wenn du wenig verdienst oder Bürgergeld bekommst. Mitbringen: Ausweis, Nachweise über Einkommen und Ausgaben und den Brief, um den es geht.

8. Landratsamt und Rathaus: mehr als nur Behörde

Viele sehen das Landratsamt (auf dem Land) und das Rathaus oder Bürgerbüro (in Städten) nur als Ort, an dem Dokumente ausgestellt werden. Dort arbeiten aber oft auch:

  • Integrationsbeauftragte: kennen alle Hilfsangebote vor Ort und können dich weiterleiten;
  • die Ausländerbehörde: in Landkreisen sitzt sie meist genau im Landratsamt (zum Beispiel im Landkreis Dachau);
  • Sozialdienste, Wohngeldstelle, Schuldnerberatung.

Wenn du gar nicht weißt, wo du anfangen sollst, ruf beim Landratsamt an oder schreib eine E-Mail und frag nach der „Integrationsbeauftragten“ oder der „Migrationsberatung im Landkreis“.

9. Ehrenamtliche: Helferkreise und Integrationslotsen

Fast in jeder Stadt und Gemeinde gibt es einen Helferkreis oder Integrationslotsen – Ehrenamtliche, die beim Ausfüllen von Formularen helfen, dich zum Arzt oder zur Behörde begleiten oder bei der Wohnungssuche unterstützen. Das sind keine Juristen, aber sie haben oft die Zeit, die überlastete Beraterinnen und Berater nicht haben. Such nach „Helferkreis + Stadt“ oder frag in der örtlichen Kirchengemeinde.

So bereitest du dich auf die Beratung vor

Die Beratungsstellen sind stark ausgelastet, ein Termin dauert manchmal ein paar Wochen. Damit schon der erste Besuch etwas bringt:

  1. Nimm alle Briefe zum Thema mit, auch die Umschläge (Fristen werden oft ab dem Zustelldatum berechnet).
  2. Schau nach der Frist im Brief. Bleiben weniger als zwei Wochen, sag das gleich bei der Terminvereinbarung: Viele Stellen nehmen dringende Fälle vorrangig.
  3. Unterlagen: Pass, Aufenthaltstitel, bei Bedarf Einkommensnachweise.
  4. Schreib deine Fragen vorher auf. Im Termin ist man aufgeregt und vergisst die Hälfte.

Und wenn die Frist drängt, der Termin aber erst in drei Wochen ist?

Das passiert oft: Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats raus, der nächste freie Beratungstermin liegt später. Oder du musst einfach nur auf einen Brief antworten, und dafür extra zur Beratung zu gehen, fühlt sich übertrieben an.

Genau dafür gibt es BriefMagic. Fotografier den Brief, und der Dienst erklärt dir in deiner Sprache, wer dir schreibt, was man von dir will und bis wann du antworten musst. Dann beschreibst du deine Situation in eigenen Worten, und BriefMagic schreibt eine fertige Antwort in korrektem Behördendeutsch: Widerspruch, Antrag, Kündigung oder jeden anderen Brief. Du kannst ihn als PDF herunterladen oder direkt aus dem Dienst per Post verschicken, auch als Einschreiben.

Und mit einem fertigen Brief in der Hand geht auch der Beratungstermin schneller: Die Beraterin muss ihn nur noch prüfen, statt bei null anzufangen.

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Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Angebote und Kontakte der Beratungsstellen können sich ändern – prüf sie auf den Websites der Organisationen.

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